Von „Fräulein und Mutter“ zur erfolgreichen Geschäftsfrau

sonnenaufgangEinmal sagte ich zu meiner Mutter, ich hätte immer Glück. Sie hielt das für frevelhaft; wenn man ein uneheliches Kind habe, könne man wirklich nicht von Glück reden. Zur Geburt meines Sohnes schrieb mir meine Mutter, es wäre das Beste, mein Kind zu Adoption freizugeben, schliesslich könne ich ihm ja nichts fürs Leben bieten. Ich erinnere mich, dass ich eines Nachts mit meinem Baby am Wasserbecken sass und überlegte, unserem Leben ein Ende zu bereiten.

Mein Vater lag damals im Sterben und wollte noch von mir Abschied nehmen. So liess ich meinen zwei Monate alten Sohn in Frankreich und reiste in die Schweiz. Mein Vater war glücklich, mich bei sich zu haben. Seine im Aufbau befindliche Firma verlangte Betreuung. Kunden mussten besucht werden, und so machte ich meine ersten Versuche als Vertreterin und erzählte meinem Vater stolz von meinen Verkaufserfolgen. Ihm kamen die Tränen, ich glaube, weil er sich plötzlich überflüssig fühlte. In der Nacht vom 8.November starb er mit den Worten auf den Lippen: „Alles ist gut.“

Schwere Zeiten – und ein Retter in der Not

In all der Zeit hörte ich nichts von meinem Sohn. Ich litt wahnsinnig, schrie im Schlaf nach ihm. Für meine Mutter war dies auch nicht einfach, aber sie war Gefangene ihrer Erziehung und konnte nicht über ihren Schatten springen. Ich entschloss mich aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus, in der Firma weiterzumachen, da ich mir dadurch eine Existenzgrundlage für mich und mein Kind versprach. Gehalt bezog ich keines, das gab die junge Firma noch nicht her. Um den Unterhalt meines Kindes zu bezahlen, sparte ich die Reisespesen, und ass unterwegs nichts. So alle vier bis fünf Monate spendierte mir meine Mutter eine Reise zu meinem Sohn. Seine Betreuerin betrog mich, und meine Situation in der Schweiz wurde ebenfalls immer prekärer. Die Fremdenpolizei hatte genug von den Beteuerungen meiner Mutter, dass wir die Firma verkaufen und dann nach Deutschland zurückkehren würden. Auf den 8.November 1958 war die Ausweisung angesetzt. Als Retter in der Not wurden wir mit einem ehemaligen Auslandskorrespondenten der Schweizer Depeschen Agentur vorgestellt. Er hatte Beziehungen zu den höchsten Regierungskreisen und weil wir ihm eine Existenz in der Firma boten, erhielten wir die Aufenthalts -und Arbeitsbewilligung. Als mein Retter dann von der Existenz meines Kindes erfuhr, war für ihn klar, dass das Kind zu mir musste. Davon ein andermal mehr.

In all den schweren Zeiten vergass ich nie, dass der Tag um Mitternacht beginnt und die Sonne auch über den dicksten Wolken vorhanden ist. Mein unerschütterlicher Glaube an mein Glück half mir auch in den dunkelsten Zeiten. Was hilft euch durch über die Abgründe, die das Schicksal manchmal für einen bereit hat? Ich bin gespannt auf eure Berichte.

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4 Kommentare zu “Von „Fräulein und Mutter“ zur erfolgreichen Geschäftsfrau

  1. Liebe Frau Verena
    Wir sind uns an der Ornaris begegnet und sie haben mir ihre Blogg-Visitenkarte gegeben. Herzlichen Dank dafür.
    Ich habe mich dazu entschlossen einen Laden mit einigen deiner Produkte zu eröffnen nachdem ich 19 Jahre im Lehrmittelverlag (gleich unter ihnen) gearbeitet habe. Das was du erlebt hast und hier mit uns Teilst gibt mir Mut und Zuversicht
    das der neue Weg den ich gehen möchte der Richtige ist und ich auch Erfolgreich damit bin.
    Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit mit euch.
    Herzliche und lichtvolle Grüessli
    Carolina

  2. Liebe Verena, ich finde deinen Blog sehr spannend und tief berührend. Eben ist mir wieder einiges klar geworden. Du bist auch eine „Mutmacherin“. Alles von Herzen Gute für dich.

    1. Liebe Ursula,ich danke Dir für Dein Feedback,auch Du machst mir Mut,weiter zu machen,wenn mich Zweifel überkommen,ob es überhaupt lohnt,von meinem Leben zu erzählen oder ob es nur eine Selbstbeweihräucherung ist.Herzlichst grüsst Dich Verena.

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