Reden wir über ein schwieriges Thema – den Tod

rose-und-windlichtDie Pförtnerin eines grossen Münchner Krankenhauses erzählte mir, dass die Abholung von Verstorbenen gern in der Dämmerung vorgenommen werde, damit niemand dadurch gestört oder erschreckt und an das Ende erinnert werde.
Diese Einstellung einem so wichtigen Ereignis gegenüber finde ich falsch. Denn auch wenn der Tod vielfach tabuisiert und verdrängt wird, kommen wir nicht an ihm vorbei und sollten uns dieser Realität auch stellen.

Als der Tod noch zum Leben gehörte

Dass der Tod, beziehungsweise das Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit, so verdrängt wird, ist eine Entwicklung der letzten Jahrzehnte. In meiner Jugend im Dorf war uns der Tod noch gegenwärtig, später in Paris erlebte ich Todesfälle noch sichtbarer. Das Trauerhaus war mit schwarzen Stoffbahnen drapiert, der Ausgang mit Blumen geschmückt, und wenn der Sarg herausgetragen wurde, blieben die Passanten stehen, falteten die Hände, die Männer nahmen die Kopfbedeckung ab. Die Autos warteten hinter dem Leichenwagen, fuhren im Schritttempo hinter her, bis der Trauerzug die Kirche oder den Friedhof erreicht hatte. Später in der Schweiz sah man gelegentlich einen schwarzen Kastenwagen mit einem Kreuz an den Türen, den man leicht als Leichenwagen identifizieren konnte. Im Laufe der Zeit wurde das Kreuz wegen der Glaubensneutralität durch einen Palmenzweig ersetzt und die Wagen wurden zunehmend unauffälliger. Heute erkennt man sie nicht mehr.

Hoffnung auf ein Weiterleben

Innerhalb eines Jahres habe ich drei Menschen beim Sterben begleitet. Für alle drei war die Vorstellung eines Weiterlebens nach dem Tod zeitlebens undenkbar gewesen. Aber zwei bis drei Wochen vor dem Ende waren sie wie selbstverständlich davon überzeugt, dass es ein Weiterleben in der geistigen Welt gibt. Das hat ihnen den Abschied leicht gemacht.

Wie ich das heute sehe

Mit 22, als ich mich mit meinem Patron über das Sterben unterhielt, sagte ich grossspurig, man müsse so leben, dass man jederzeit in Ruhe sterben kann. Damals war ich aber auch noch für niemanden verantwortlich. Als ich dann Mutter war, Verantwortung für mein Kind hatte, änderte sich meine Einstellung. Ich lebe heute gern. Aber ich weiss, dass sich meine Lebenszeit zum Ende neigt und das ist gut so. Ich habe keine Angst vor dem Sterben. Für mich ist der Tod ein Hinübergehen in die geistige Welt und ich freue mich darauf. Solange ich etwas bewirken kann, solange ich eine Aufgabe hier habe und anderen etwas geben kann, bin ich gerne hier. Wenn das geht mehr geht, gehe ich gerne. Denn ich weiss, dass ich drüben weiterleben werde.

Wie geht es euch damit? Habt ihr Angst vor dem Sterben? Was macht euch den Gedanken daran vielleicht leichter?

Der Gedanke an den Tod, an die Endlichkeit des Lebens, lässt uns bewusster leben.
Hier zwei Bücher dazu, und dazu wie Verlust und Tod auch Kräfte zum Weiterleben freisetzen können:

jeder-tag-ist-kostbar360-gradDaniela Tausch
Jeder Tag ist kostbar – Endlichkeit erfahren – Intensiver Leben

Katharina Middendorf
360 Grad – Über die Liebe, den Tod und den Mut zum Weitermachen

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Ein Kommentar zu “Reden wir über ein schwieriges Thema – den Tod

  1. Liebe Verena,
    danke für Deinen Beitrag zu diesem wichtigen Thema. Man sieht dann auch leichter die positiven Aspekte in de Gesellschaft. „Der Friedhof ist voll von unersetzlichen Menschen“ sagte meine Mutter lästernd. Ja, wenn das Leben des Körpers unendlich wäre, dann gäbe es Veränderungen nur durch Krieg und Mord. All die ach so unersetzlichen wären immer noch an der Macht. Insofern fürchte ich negative Auswirkungen und eine Art Versteinerung unserer Gesellschaft, wenn die Alten nicht mal gehen müssen – was mich mit 60+ natürlich beinhaltet.
    Osho sagte „Der natürliche Tod ist der finale Höhepunkt des Lebens“. Mein Nahtoderlebnis war ekstatisch, aber für den Körper nicht angenehm. Der brauchte nahezu ein Jahr um sich davon zu erholen. Die Angst kommt vom Körper, weil der seiner zeitlichen Begrenzung bewusst ist.

    Warnen möchte ich vor dem Selbstmord oder „Freitod“. Vieles was in den Religionen mittels der Angst vor Sünde vermieden werden soll hat ganz einfache praktische Gründe. Wenn man vo seiner Zeit durch eigene Handlung geht, hängt man in der Zwischenwelt als Geist herum bis man das verarbeitet hat und der natürliche Todeszeitpunkt wäre. Diese Zwischenwelt ist keineswegs angenehm oder unterhaltsam. Wenn also jemand mit Hilfe von „Dignitas“ oder ähnlichen Helfern sich ein halbes Jahr hoffnungsloses Leiden erspart, dann hat er eben diese Zeit in der ZWischenwelt, aber wie schlimm ist das für einen Jugendlichen der dann 60 Jahre darin fest sitzt!
    Die Ahnung daß man da durch muss auf dem Weg zum nächsten Leben und man da alles ungefiltert von Illusionen sieht und erkennt, das macht manchem Angst. Dabei hilft übrigens Erzengel Michael und früher hat man Sterbenden die Fersen massiert. Dort ist übrigens der Geburts- und Todespunkt der Akkupressur.

    Meine persönliche Sorge zum Thema Tod ist nur, daß ich meine Zeit nicht wirklich bestens nutze und am Ende für übersehene Dinge nochmals ähnliche Erfahrungen in einem weiteren Leben machen muss statt wieder was neues – und – das was Du mit Deiner veränderten Sicht als Mutter beschreibst – die Sorge für meinen Sohn.

    Wenn man sich bewusst macht welcher Aufwand es ist eine gute Inkarnation auf einem sicheren Platz wie der Schweiz zu erhalten dann sollte jeder der solche Lebensbedingungen hat, vor Dankbarkeit glühen und so wie Du etwas daraus machen.

    In großer Dankbarkeit, auch für Deine Blogs !

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