Ausgangssperre: damals und heute

Von verschiedenen Seiten wurde ich zur Ausgangssperre gefragt, wie ich sie jetzt erlebe im Vergleich zur Situation im 2.Weltkrieg.

Die beiden Ausgangssperren sind nicht miteinander vergleichbar. Bei der Ausgangssperre 1939-1945 war ich noch ein Kind, 10 Jahre alt. Darüber nachzudenken, ob etwas gut oder schlecht sei, stand uns gar nicht zu. Eine Meinung darüber zu äussern war lebensgefährlich. Wir fürchteten, dass die Wände Ohren hätten, denn mit der kleinsten negativen Bemerkung landete man im Konzentrationslager. Heute kann man die Behörden beschimpfen, ihnen Versagen vorwerfen, ohne dass es negative Konsequenzen hat.

Die Ausgangssperren im Krieg betrafen die Nachtstunden. Man musste zu Hause bleiben, in verdunkelten Räumen. Kein Lichtschimmer durfte nach aussen dringen, damit die feindlichen Flieger kein Angriffsziel hatten. Man durfte mit anderen Menschen zusammen sein. Ja man war sogar dazu gezwungen, wenn nachts die Sirenen heulten und man in die Keller flüchtete. Wir, meine Mutter und Kinder sassen dann eng umschlungen beieinander. Angst hatten wir alle und um diese einzudämmen, betete meine Mutter mit uns. Beten für den Schutz ist auch wie positives Denken und gibt auf jeden Fall Kraft. Tagsüber konnten wir hinausgehen, die Schule besuchen, mit anderen Kindern spielen, etc.

Die jetzige Ausgangssperre verbietet den persönlichen Kontakt, das gesellschaftliche Beisammensein. Erleichtert wird die Isolation heutzutage durch die ganzen elektronischen Medien und Möglichkeiten. Fast jeder hat heute sein eigenes Telefon, damals gab es noch nicht einmal eines in jedem Haus. Zu essen haben wir auch alle genug, in grosser Vielfalt. Wenn wir nicht selber einkaufen können, machen es andere für uns. Damals gab es nur sehr wenig zu essen und die Lebensmittel waren rationiert. Pro Person erhielt man Bezugsmarken, z.B. für 1 Kilo Kartoffeln, 100 Gramm Fett, 100 Gramm Zucker u.ä. Mit den Zuteilungen musste man sehr haushälterisch umgehen, denn mit Geld allein konnte man nichts kaufen.

Auch wenn wir uns jetzt eingeengt fühlen, geht es uns doch um Vieles besser als damals. Wenn wir uns nicht selbst versorgen oder einkaufen können, so machen es bereitwillig viele Menschen um uns herum. Die Hilfsbereitschaft und die freundlichen Angebote sind gross, so etwas habe ich im Krieg in Deutschland damals nicht erlebt.

Alles in allem: Trotz gewisser Einschränkungen geht es uns sehr gut.

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