Anschlag in Berlin

KerzeEigentlich wollte ich zu den aktuellen, schlimmen Ereignissen nicht auch noch etwas sagen, wir hören schon so viel darüber. Alle Medien sind voll davon.
Da ich selbst Angst und Willkür im 2. Weltkrieg und bei der Judenverfolgung miterlebt habe, werde ich von vielen Seiten angefragt, wie ich das alles erlebt und verarbeitet habe.
Ja, wir hatten Angst, grosse Angst. Als Kinder konnten wir die Ereignisse und was uns drohte, noch nicht voll realisieren. Die Angst unserer Mutter übertrug sich auch auf uns. Ein Beispiel:

Wie ich als Kind in der Nazizeit Angst erlebt habe:

Eines Abends stand ein Mann längere Zeit gegenüber unserem Haus. Meine Mutter rief uns zusammen. Wir saßen in Mänteln aneinander geschmiegt in einer Ecke und warteten darauf, von der Gestapo abgeholt zu werden. Es  ist unbeschreiblich, was wir damals an Angst ausgestanden haben, wussten wir doch nicht, was sich ereignen würde.
Der Beobachter erwies sich schliesslich als harmlos, es war der Freund eines Dienstmädchens aus der Nachbarschaft, der auf sein Liebchen wartete. Ich war damals gerade 10 Jahre alt und konnte die Gefahren noch nicht einordnen. Trotzdem litten wir, denn die Angst unserer Mutter spürten wir ganz gewaltig.
Die Ungewissheit, die sich einem bemächtigt ist ebenso zerstörerisch wie das Ereignis selbst. Der Erwartungsangst kann man sich kaum entziehen. So und so viele Menschen hat es direkt betroffen, sind tot oder verwundet.
Getroffen hat es uns alle, nicht weil wir Mitleid empfinden, sondern weil wir in der kollektiven Angst mitgefangen sind.
Meine Mutter lehrte uns in solchen Situationen beten – vertrauen auf Gott. Das war eine große Hilfe und wenn wir beteten, waren wir beschäftigt.

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Ein Kommentar zu “Anschlag in Berlin

  1. Liebe Verena,
    danke vielmals für Deine Einsichten. Sie sind immer so erfrischend anders.
    Die äußere Angst ist gleichzeitig eine Chance Zugang zu den unbewussten Ängsten in sich selbst zu erhalten. Diese unbewussten Ängste sind eine der größten Blockaden für Selbstentfaltung. Ich hab diese äußere Betroffenheit genutzt und bin, mit Unterstützung von El Morya (LichtWesen #3), nach innen gegangen und habe an der Angst als Kind vor dem mich dauernd beobachtetenden Gott (so hatte ich es in der Evangelischen Kirche gelernt) und vor meinem Vater gearbeitet. Wieder das Unbewusste etwas reduziert und freier geworden.

    Mein ehrliches, tiefes Mitgefühl mit den Menschen die Freunde und Verwandte verloren haben oder sich um die Verletzten sorgen.

    Der andere Aspekt, der die öffentliche „Bearbeitung“ des Ereignisses beleuchtet, ist:
    Angst und Schuldgefühl sind die Gefühle die anderen Macht über uns geben – sagte Konfuzius.

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